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3. Weikersheimer Skulpturen.SCHAU!
Kunst ohne Barriere: 25 höchst vitale Weikersheimer auf Zeit

Carl Constantin Weber gestaltet ironisch Bewegung in Bronze Weikersheim Gut hundert Gäste fanden sich ein zur Eröffnung der "Skulpturen.SCHAU!" - der dritten ihrer Art im ehemaligen Residenzstädtchen. Dass keiner der Gemeinderäte den Weg zur Vernisssage im Rathaus fand, erstaunt, denn immerhin lässt sich die Stadt das kulturelle Angebot einiges kosten. Um so begeisterter waren die Gäste, die nach der Eröffnung gemeinsam mit dem Künstler Carl Constantin Weber den Skulpturenweg erkundeten. Bis Ende September säumen 18 seiner Werke den Kunstpfad, der sich vom Schlossportal über den Marktplatz, die Hauptstraße und entlang der Stadtmauer bis in den Stadtpark-Küchengarten und ins Höfchen bei der blauen Kappe schlängelt.

Die Eckchen und Plätze für seine Skulpturen hat C.C. Weber selbst gewählt: Im Schlosseingang grüßt nun ein kleiner "Indischer Elephant" zum großen afrikanischen Bruder an der Rittersaalwand hinauf, "Der König von Olouthokou" grüßt und verabschiedet die Schlossbesucher, zwischen den Marktarkaden tummeln sich die "4 Jahreszeiten". Die "Schleswigerin", längst eine gute alte Bekannte, ist wieder da, tänzelt gegen den frischen Wind, der nicht nur an der Schlei weht. Vorm Rathaus hat sich der Orang aus seinem Narrenkäfig befreit, greift munter, spielerisch, entfesselt ein ins Geschehen. Zwischen Kirche und Bank geben sich "Nana", das "Strumpfmädchen", ein Torso, die "Verführerin" und die "Bremerin" ganz ungeniert ein Stelldichein, während im Durchschlupf unterm Gänsturm ein "Junge Professor doziert und vielleicht hinterfragt, was wohl gleich nebenan im Kopf des Wolfes - "Cave Lupum" vorgehen mag oder was ein paar Schritte weiter beim Wasserrad die Gäste im "Schwimmbad" empfinden und erleben. "Danae" in der Kanalstraße ist ganz in ihrer eignen Welt versunken, den Kindern gewidmet ist der kleine "Wasserspringer", der im Küchengarten im Stadtpark vom hohen Uferrand in kühle Nass hineinzuschnellen scheint. Die "Schuhdame", entworfen für einen Platz nah einem Schuhgeschäft, schlüpft wie einst Aschenputtel ins feine Fußgewand, gleich bei der Küchengartenpforte entdeckt ein "Spielendes Kind" mit unbändiger Neugier seine Umwelt, und bei der Blauen Kappe, dem ehemaligen Gefängnisturm der Stadt, ruht selbstvergessen ein Frauentorso.

Weber fühlt sich in Weikersheim gut aufgehoben - sowohl, was die warmherzige Vorbereitung der Ausstellung anbelangt, als auch hinsichtlich der urbanen Räume, die das Städtchen bietet. Hier werden die Werke "nicht ins Reservat von Galerie und Museumsvitrine" verbannt, sondern finden architektonisch umhegte Räume draußen, in denen sie sich nicht verlieren. Stadtmauer, Gartengrün, Höfe und kleine Plätze gestalten Spannungsfelder aus Be- und Entgrenzung, die dem Architekturprofessor C.C. Weber für seine Kunst das rechte Umfeld schaffen.

25 Einwohner auf Zeit mehr zählt Bürgermeister Klaus Kornberger derzeit zur Weikersheimer Bürgerschaft - und alle diese mitten in der Bewegung gebannten Neu-Einwohner fordern heraus zu Begegnung, Auseinandersetzung, ganz nebenbei auch zur ihrem Blick folgenden Neuentdeckung des Städtchens. "Weikersheim ist mit den Figuren noch ein Stückchen attraktiver", findet Kornberger, der auf "Kultur mit Begegnung" setzt. Im Freien ist Kunst "für alle da", für Kunstliebhaber ebenso wie für andere, denn draußen versperre eben keine Tür als Barriere den Weg zur direkten Begegnung mit den Werken. Die fordern Webers Werke regelrecht heraus: Kornberger beobachtet immer wieder vom Rathaus-Arbeitszimmer aus, wie die fast schwebende "Schleswigerin" zur balancierenden Nachahmung animiert - "statisch gar nicht so einfach".

Uwe Wolff, von dem die Initialzündung fürs figürliche Ausstellungskonzept der Stadt ausging, übernahm die Einführung. Kunst, so der Laudator, ist nicht zwingend das, was, von Kunsttehorie und -wissenschaft geadelt, im Museum steht. Für weitaus wichtiger hält Wolff die Fassung von Gegensätzen und Kontrasten in Form, Klang, Farbe - Gestaltung eben, die über sinnliche Erfahrung ins Denken und Fühlen dringt. "Wir Menschen bedürfen der sinnlichen Wahrnehmung der Gegensätze". Und die ermögliche Carl Constantin Weber mit klugem und vielfältigem Einsatz unterschiedlichster Volumina, Achsen, Bewegungen und Gegenbewegungen. "Je differenzierter das Formenensemble, um so mehr Arbeit für unsere Augen - und die Augenarbeit ist für uns sinnlicher und intellektueller Lustgewinn." Den bieten Webers Skulpturen in hohem Maße, wenn man sie aus der Ferne, der Nähe, sie umkreisend, auch sie nachahmend betrachtet, denn dann beginnen sie zu erzählen, zu kommentieren, zu kontrastieren.

Beim Rundgang ergänzte C.C. Weber die den Figuren eigenen Erzählungen mit Werkgeschichte, Anekdoten, Details zum künstlerischen und handwerklichen Schaffensprozess. Da ist etwa das "Schwimmbad", gestaltet ursprünglich für eine Magdeburger Bank, in der der Künstler aufgerufen war, architektonische Faux pas zu kompensieren. Es hat ihm sichtlich Spaß gemacht, mitten im Finanzwelt-Räderwerk quirligem Wassertreiben Raum zu schaffen. Passend zum Geldgeglitter hat er den Bronzen die Badeanzüge teilvergoldet. Weber würzt nicht nur seine Bronzen mit köstlicher Ironie. Dass er den Orang Utan, der sich aus seinem bedenklich schwankenden goldenen Käfig befreit hat und die Ketten als spielerische und sportliche Herausforderung nutzt, bereit zum Absprung in die große Freiheit, direkt vorm Rathaus platziert, dürfen Kommunalpolitiker gerade in Zeiten finanzieller Engpässe gern als Aufforderung verstehen.

Für den musikalischen Rahmen der Eröffnung 3. Weikersheimer Skulpturen.SCHAU! sorgte das Bläserquartett der Musikschule Hohenlohe, unter anderem mit festlich-barocken Rondo-Klängen und Gershwins "Get the rhytm".

Inge Braune

Hier geht es zu den zwei ersten "Skulpturen.SCHAU!"


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Rund 120 Kunstinteressierte kamen zur Vernissage am 16. Mai in den Sitzungssaal des Rathauses
 

 

 


Das Bläserquartett der Musikschule Hohenlohe umrahmte die Vernissage


Uwe Wolff aus Bremen (links) hielt die Einführung. Daneben Bürgermeister Klaus Kornberger mit Carl Constantin Weber




Carl Constantin Weber führte die Besucher zu den einzelnen Figuren. Hier die "Schleswigerin" auf dem Marktplatz


"Cave Lupum" an der Stadtmauer


"Schwimmbad" an der Stadtmauer


"Schuhdame" im Küchengarten im Stadtpark


"Großer weiblicher Torso" an der "Blauen Kappe"