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Figurative Kunst im Zentrum
Rundweg mit 17 Werken von Prof. Eberhard Linke

Zur Vernissage der vierten Skulpturenschau konnte Bürgermeister Klaus Kornberger im Sitzungssaal des Rathauses auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Kenner, Kunstliebhaber und Freunde des guten Geschmacks, wie er sagte, aus nah und fern begrüßen. Im Mittelpunkt der illustren Gästeschar standen natürlich Prof. Eberhard Linke mit seiner Gattin Barbara. Dem ausstellenden Künstler dankte Kornberger nicht nur für die Bereitschaft, seine Figuren für die inzwischen fast schon Tradition gewordene Skulpturenschau bis Ende September zur Verfügung zu stellen, sondern vor allem für sein kooperatives und unkompliziertes Engagement im Vorfeld.

Wir pflegen den Künstlern immer freie Hand zu lassen, so Kornberger. Sie wählen die Figuren aus, sie bestimmen den Standort und begleiten den Aufbau vor Ort. So stelle man sicher, dass jeder Platz, an dem eine Figur steht, eine ganz neue Dimension erhält und einfach anders, schöner, auf jeden Fall interessanter wirkt.

Bemerkenswert ist, dass erstmals eine Figur außerhalb des Rundwegs platziert wurde. Die "Wolke", so der Name der Figur, steht vor dem Lene-Hofmann-Haus und soll die Bewohner des Hauses an der Skulpturenschau teilhaben lassen. Sie stammt aus der frühen Schaffenszeit des Künstlers und symbolisiert die Verbindung der stammartig dargestellte Erde mit der Wolke, wenn man so will mit dem Himmel, und einer menschlichen Hand als räumliches Zentrum dieser Komposition.

Eine Anekdote am Rande soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Zwei Tage vor der Ausstellungseröffnung blies ein heftiger Windstoß die zentrale Figur der Gruppe "Dortmunder Annäherung" aus ihrer Verankerung und hinterließ einen Scherbenhaufen. Eberhard Linkes Kommentar: "Ich bin Kummer gewohnt!". Er will die Figur wiederherstellen, da sie unverzichtbarer Bestandteil dieser Figurenkombination sei, sagte er beim Rundgang vor Ort. Kurz stellte anschließend Prof. Eberhard Linke sich selbst und seine Stiftung vor.

Dann ging es bei Kaiserwetter auf den künstlerischen Rundkurs. Erfrischend, aber auch hintergründig informativ und häufig von persönlich Erlebtem geprägt waren die Erläuterung Linkes an jeder Station des Rundgangs. So bezeichnete er sein Werk "Golem", vom Wortsinn her ein Fabelwesen der jüdischen Legende, eine gedankenlose Masse, die über Leichen geht und dabei gleichzeitig hin- aber auch wegschauen kann. Eine weitere Figur, mit der ohne Linkes Informationen sicherlich nur wenige etwas anfangen können, ist der "Ikarus". In ihr hat er ein sehr persönliches Erlebnis umgesetzt. Nämlich die Kollision eines Bussards mit einem LKW auf der Autobahn, der noch kurz aufzufliegen schien, aber dann tot auf den Mittelstreifen stürzte. Seine Worte zu allen Figuren der "Schau" würden den Rahmen des Bericht sprengen. Wer den Rundgang verpasst hat, hat sicherlich eine Menge versäumt. Ihm bleibt aber die Zeit, sich mit den Figuren Linkes auseinanderzusetzen und seine eigenen Interpretationen zu wagen.

Musikalisch umrahmte die Weikersheimer Canal Street Combo mit "Blue skies", " Beyond the sea" und "Orange colored sky" die Ausstellungseröffnung. Zusätzlich lockten Susanne Jahrmann (Tenoraxofon) und Ulrich Dieter (Posaune) die Kunstbegeisterten auf dem Rundweg quasi als Pfadfinder von Skulptur zu Skulptur.

Informationen zur Person des ausstellenden Künstlers: Prof. Eberhard Linke, geboren 1937 im schlesischen Lauban, ist freischaffender Bildhauer. Sein Studium der Bildhauerei absolvierte er von 1959 bis 1964 an der Staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart, schwerpunktmäßig in der damals von Prof. Otto Baum geleiteten Bildhauerklasse. Beginnend 1965, arbeitete er acht Jahre als wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Jürgen Weber an der TU Braunschweig. Weber hatte den Lehrstuhl für elementares Formen im Fachbereich Architektur inne. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an der Mainzer Fachhochschule wurde Linke 1974 zum Professor ernannt. Erwähnenswert ist auch sein neunmonatiger Aufenthalt an der renommierten Deutschen Akademie Rom "Villa Massimo".

Prof. Linke ist für seine Werke mehrfach ausgezeichnet worden. Viele von ihnen zieren an mehr als 25 Orten öffentliche Räume und Anlagen. Linke ist Mitglied in den Künstlergemeinschaften "Darmstädter Sezession" und "Pfälzer Sezession", der er seit 2000 vorsitzt. Eberhard Linke lebt in Saulheim und arbeitet in Flonheim. Sein Atelieranwesen, ein ehemaliges Weingut, wurde von ihm und seiner Frau Barbara gemeinsam in die "Eberhard und Barbara Linke Stiftung" eingebracht. Im Skulpturengarten der Stiftung findet man unzählige Werke aus mehr als 40 Jahren seiner bildhauerischen Tätigkeit, unter anderem auch die jetzt in Weikersheim ausgestellten beiden Felstorsi. Seine Arbeiten der 60er Jahre thematisierten vorrangig die Wechselwirkungen zwischen Landschaft und menschlicher Gestalt. Dem schloss sich eine kurze Periode des Realismus an. Danach wurde in seinen Werken die Einbindung des Menschen in kubische Strukturen bestimmend.

Text: Detlef Weber
Bilder: Detlef Weber und Stadtverwaltung

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Prof. Eberhard Linke am Rednerpult. Daneben Bürgermeister Klaus Kornberger bei der Eröffnung im Sitzungssaal


Zahlreiche Besucher kamen zur Eröffnung


Die Canal Street Combo umrahmte die Eröffnung


Die Besucher wurden beim Rundgang von den beiden Musikern an den jeweiligen Plätzen willkommen geheißen

Eberhard Linke beim Rundgang. Sehr anschaulich und kurzweilig erklärte er sein Schaffen

 

 
 

 

 
   
 
 
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